Warum ich diesen Beitrag schreibe
Ich schreibe diesen Text nicht, um Mitleid zu bekommen.
Ich schreibe ihn, weil Burnout und Depressionen oft falsch verstanden werden – und weil ich selbst erlebt habe, wie leise, schleichend und zerstörerisch das Ganze sein kann.
Lange dachte ich: „Ich muss einfach durchhalten.“
Heute weiß ich: Genau dieses Denken ist Teil des Problems.
Mein persönlicher Weg in den Burnout
Bei mir kam der Burnout nicht plötzlich. Er kam nicht mit einem Knall, sondern still.
Ich habe funktioniert.
Jeden Tag.
Ohne Pause.
Ohne echte Erholung.
Schlafen wurde schlechter, freie Tage brachten kaum noch Kraft. Ich war dauerhaft müde, antriebslos, innerlich leer. Dinge, die mir früher Freude gemacht haben, waren plötzlich egal. Gespräche strengten mich an. Nähe kostete Energie, die ich nicht mehr hatte.
Nach außen wirkte alles „normal“.
Nach innen war ich längst überfordert.
Das Gefährliche daran:
Burnout fühlt sich nicht an wie „Ich bin krank“, sondern wie „Ich bin nicht mehr belastbar genug“.
Und genau das frisst sich ins Selbstwertgefühl.
Burnout und Depression – das gehört oft zusammen
Burnout ist kein offizieller medizinischer Begriff wie ein Knochenbruch. Aber er beschreibt sehr gut, was passiert:
- Dauerstress
- fehlende Erholung
- permanenter Druck
- emotionale Überlastung
Wenn dieser Zustand anhält, entwickelt sich daraus oft eine depressive Episode.
Bei mir äußerte sich das so:
- Antriebslosigkeit
- Schlafstörungen (ständiges Aufwachen)
- innere Leere
- Rückzug von Familie und Umfeld
- Schuldgefühle, obwohl man nichts „falsch“ gemacht hat
Das ist kein „schlechter Tag“.
Das ist ein Zustand, der den ganzen Menschen betrifft.
Die Kosten von Burnout – was es wirklich kostet
Burnout kostet nicht nur Kraft.
Er kostet real – emotional, beruflich, finanziell.
1. Job & Karriere
Viele verlieren ihren Job nicht wegen Burnout, sondern weil sie zu lange ohne Hilfe weitergemacht haben.
- Leistungsabfall
- Krankenstände
- Einsatzende (gerade bei Temporärarbeit)
- Vertrauensverlust – oft ungerecht, aber real
Burnout kann eine Karriere unterbrechen oder komplett verändern.
2. Gesundheit
Die körperlichen Folgen werden oft unterschätzt:
- chronische Müdigkeit
- Herzstolpern
- Magen-Darm-Probleme
- Schmerzen
- geschwächtes Immunsystem
Der Körper zieht irgendwann die Notbremse – wenn man selbst keine zieht.
3. Beziehungen & Familie
Burnout trifft nie nur eine Person.
- Rückzug
- Reizbarkeit
- fehlende emotionale Verfügbarkeit
- Schuldgefühle gegenüber Partnern und Kindern
Man ist da – aber nicht wirklich präsent.
4. Finanzen
Krankenstand, Jobverlust oder reduzierte Arbeitsfähigkeit bedeuten:
- Einkommensverluste
- Unsicherheit
- Existenzangst
Gerade für Menschen, die Verantwortung tragen, ist das extrem belastend.
Was Burnout wirklich ist – einfach erklärt
Burnout ist keine Schwäche.
Burnout ist ein Erschöpfungszustand des Nervensystems.
Man kann es sich so vorstellen:
Ein Akku, der ständig benutzt wird,
nie richtig geladen wird
und irgendwann nur noch scheinbar funktioniert.
Man kann sich zusammenreißen –
aber man kann sich nicht gesund zusammenreißen.
Typische Denkfehler bei Burnout
Viele Betroffene denken:
- „Andere halten das auch aus“
- „Ich darf nicht ausfallen“
- „Ich bin selbst schuld“
Diese Gedanken sind Symptome, nicht Wahrheiten.
Burnout entsteht nicht, weil jemand schwach ist,
sondern weil jemand zu lange stark war.
Warum frühe Hilfe entscheidend ist
Je früher man handelt:
- desto kürzer der Ausfall
- desto geringer die Folgeschäden
- desto besser die Heilungschancen
Zu spät zu reagieren heißt oft:
- längere Krankschreibung
- tiefere Depression
- schwererer Wiedereinstieg
Warum ich offen darüber schreibe
Weil Schweigen nichts besser macht.
Weil Burnout jeden treffen kann.
Und weil es okay ist, zu sagen:
„Ich kann gerade nicht mehr.“
Das ist kein Versagen.
Das ist Selbstschutz.
Wenn du dich hier wiedererkennst
Dann nimm das ernst.
Rede mit deinem Arzt.
Hol dir Hilfe.
Früh – nicht erst, wenn nichts mehr geht.
Du bist nicht faul.
Du bist nicht schwach.
Du bist erschöpft.
Und Erschöpfung ist behandelbar.
Schlusswort
Dieser Beitrag ist kein Abschluss, sondern ein Anfang.
Für mich – und vielleicht auch für dich.
Wenn wir anfangen, ehrlich über Burnout zu sprechen,
nehmen wir ihm die Macht, uns leise zu zerstören.

